Der Einfluss von Tarifverträgen auf das Arbeitsverhältnis

15.02.2018
Von: Rechtsanwalt Dr. Matthias Knörr

Häufig wird übersehen, dass tarifliche Regelungen erhebliche Auswirkungen auf das einzelne Arbeitsverhältnis haben und so Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis anders geregelt sind, als dies die gesetzlichen Bestimmungen oder die Klauseln des Arbeitsvertrags vorsehen. Dies kann z.B. die Lohnhöhe betreffen, die Frage, wie viel Jahresurlaub einem Arbeitnehmer zusteht, ob und in welcher Höhe dieser ein Urlaubs- oder Weihnachtsgeld zu beanspruchen hat oder welche Kündigungsfristen bei der Beendigung des Arbeitsverhältnisses einzuhalten sind. Weiter können Tarifverträge sog. Ausschlussfristen enthalten, also Regelungen, innerhalb welcher Frist ein Anspruch aus dem Arbeitsverhältnis geltend gemacht werden muss, bevor er verfällt.

 

Dies wirft die Frage auf, wann ein Tarifvertrag auf das Arbeitsverhältnis Anwendung findet. Dies ist dann der Fall, wenn

  1. beide Arbeitsvertragsparteien tarifgebunden sind, also der Arbeitsgeber Mitglied im Arbeitgeberverband und der Arbeitnehmer Mitglied der maßgeblichen Gewerkschaft oder

  2. die Geltung des Tarifvertrags zwischen den Parteien im Arbeitsvertrag explizit vereinbart wurde oder

  3. der Tarifvertrag für allgemeinverbindlich erklärt wurde, so dass er für alle Betriebe der Branche innerhalb der betroffenen Region gilt.

 

Aufgrund der Vielfalt von Möglichkeiten, wie es zur Geltung eines Tarifvertrags für das konkrete Arbeitsverhältnis kommt, ist dies oft den Arbeitsvertragsparteien überhaupt nicht bewusst. Im Hinblick auf die erheblichen Auswirkungen, die der Geltung eines Tarifvertrags für das einzelne Arbeitsverhältnis zukommt, sollten die Arbeitsvertragsparteien dieser Frage jedoch ihre Aufmerksamkeit schenken und zwar nicht erst, wenn es zum Konfliktfall kommt.